Leider erst als Rückblick: Tag 3 in Silverstone

Vier Tage hat es gedauert, bevor wir uns heute zurück in Dresden endlich wieder melden können. Nach immer größeren Problemen mit dem W-LAN in Silverstone und der dazu immer knapper werdenden Zeit, berichten wir jetzt alles was seit Donnerstag Abend passiert ist in einem großen Rutsch heute den ganzen Tag über! Aber der Reihe nach…

Freitag

Tilt Table elbflorace

Tilt Table elbflorace

Größtes Ziel und gleichzeitig größte Hürde für diesen Tag waren 5 kleine Aufkleber. Nachdem wir den Safety-Sticker für den Nachweis der Fahrersicherheit in unserem Fahrzeug schon am Vortag erhalten hatten, galt es als erstes gleich den an sich schwersten Test zu bestehen: das Scruiteenering . Das genau übersetzte „genaue Hinschauen“ geht in den Formula Student Wettbewerben deutlich über seine ursprüngliche Aussage hinaus. Den in dieser von bis zu 4 Kampfrichtern (im guten Neudeutsch auch Judges genannt) durchgeführten Kontrolle wird das komplette Auto auf seine Regelkonformität und wiederum auf seine Betriebssicherheit überprüft.

 

Seien es nun Motorkenndaten, Reifenwerte, Bodenfreiheit, Lenkspiel, Benzin-Verschlauchung oder auch nur die korrekte Sicherung aller Schrauben, jeder einzelner Punkt muss ein OK von den Judges bekommen. Und einer dieser kleinen Punkte hinderte uns dann leider auch daran, den Komplettcheck im ersten Durchgang zu schaffen, was immer ein gern gesehenes Sahnehäubchen ist, aber nur von den wenigsten Teams auf einem Event erreicht wird. So mussten wir, wie gewohnt in einer kleinen Notoperation, einen unserer Lenkanschläge noch abändern und darüber hinaus eine Schlauchschelle des Benzin-Versorgungssystems gegen eine Sicherheitsschlauchschelle wechseln. 

Damit konnte unser Rennwagen dann gegen Mittag endlich auch mit englischer Korrektheit seinen zweiten Aufkleber sichern. Mit diesem ging es dann auch direkt zum ersten Tankstopp, um beim wohl spektakulärsten aller Test seine Dichtheit zu beweisen. Beim sogenannten Tilt-Table wird das Fahrzeug auf einer Kippplatte seitlich auf 45° Neigung angestellt, wobei keinerlei Flüssigkeiten austreten dürfen, und 60° Neigung musste Arundo überstehen, ohne umzukippen. Für uns war beides kein Problem und so war Aufkleber Nummer 3 auch gesichert.

Zwischen all den Tests und Nachweisen kam dann auch für uns persönlich einer der interessantesten Momente des Wochenendes: Kampfgewicht messen! Und wie erwartet haben wir endgültig den Nachweis, dass wir unser primäres Saisonziel erreicht haben. Mit 238,5 kg kann Arundo seinen großen Bruder Arcus um gute 20 kg hinter sich lassen.

Aber an diesem Punkt muss man leider sagen, das für uns eine recht große Pechsträhne seinen Anfang nahm. Den Anfang nimmt diese Strähne mit einem für uns eigentlich sehr schönen Moment, der in seinem Resultat uns, und vorallem unseren Mitgereisten LKW-Fahrer, zwar stolz macht, aber gleichzeitig in Zugzwang bringt. Beim Noise-Test gilt es „eigentlich“ nachzuweisen, dass jedes präsentierte Auto unter 75%iger Motorenlast die Grenze von 110 dB Lautstärke nicht überschreitet. Hierfür werden die Autos normalerweise wesentlich lauter ausgelegt, um im Nachhinein mit Glas- oder Stahlwolle im Schalldämpfer die Lautstärke auf ein gültiges Niveau zu senken (und dabei, wenn auch minimal Leistung einzubüsen). Also ging es zu unserem ersten „ungedämpften“ Versuch, der auch direkt eine größere Menschenansammlung mit sich brachte: 117,5 dB macht unseren Kleinen gefühlt fast 4mal so laut wie zugelassen. Mit einem jetzt endlich zufriedenen LKW-Fahrer, dem inoffiziellen und nicht bestätigten Titel der lautesten Fahrzeugs vor Ort und einem jetzt auf ordnungsgemäß gestopften Schalldämpfers ging es gegen 15 Uhr dann ein zweites Mal an den Start. 

Aber ab diesem Punkt wollte der englische Wettergott mal zeigen, dass er auch Krach machen kann. Mit unglaublicher Beständigkeit regnete es von diesem Punkt an ohne Unterbrechung. Damit war der Tag für uns gelaufen, denn der Noise Test liefert bei Regen keine brauchbaren Ergebnisse mehr, und ohne diesen war jegliches weiteres Handeln für uns unmöglich. Damit ergab sich für Samstag schon von vorneherein ein ernstes denn mit zwei ausstehenden Test, darf man an keinem der eigentlichen Rennen teilnehmen. 

designreport

Ein zweites großes Kapitel am Freitag waren die sogenannten „Static Events“. Dabei muss in 3 Vorträgen das Team seine Entscheidungen in Sachen Design, Kosten und Vermarktung präsentieren und verteidigen. Da für diese Events noch in Silverstone eine genaue Analyse uns übergeben wurde können wir mit guten Gewissen sagen: Wir haben uns in Silverstone sehr gut verkauft. 

Leider sorgten eine überzogene Frist zur Einreichung der Dokumente sowie der besonders im Vergleich gerade mit indischen Teams um das bis zu dreifach höhere Preis unseres Autos für einiges an Punktabzügen in diesen Kategorien, sodass wir für unseren Kostenreport nur den 74 Platz, für unseren Designreport einen im Mittelfeld liegenden 42 Platz und für unsere Verkaufspräsentation einen guten 31. Platz sichern konnten. Mit diesen ersten Ergebnissen ging es also Freitag Abend für alle extrem zeitig ins Bett, um…