Formula Student UK Silverstone

Tag 1

Nach 22 Stunden Busfahrt und einer etwas verregneten Fährüberfahrt haben wir endlich zusammen mit dem WHZ Racing Team den Silverstone Circuit erreicht. Nachdem das Teamlager aufgebaut wurde, widmeten wir uns der Box – mit Ardor als zentralem Blickfang. Aufgrund der guten Vorarbeit am Wagen konnten wir uns zu Hundertprozent dem platten Werkstattwagenrad widmen, welcher die Reise leider nicht so gut überstanden hat wie der Rest.

Wegen unserer „charmanten Art“ sind wir eines der wenigen Teams, die sich schon heute registrieren dürfen, sodass wir den Donnerstag ruhig angehen können. Da steht dann das Scrutineering auf dem Plan. Nach der technischen Abnahme, bei der wir als 25. Team dran sind, müssen wir dabei Tilt Table, Noise und Brake Test bestehen. Den Rest des Tages werden wir dann den statischen Disziplinen den letzten Feinschliff für Freitag gegeben.

Wir genießen heute noch den strahlenden Sonnenschein in Silverstone und hoffen, dass der Rest des Teams in Deutschland gut mit dem Testen des Elektroboliden vorrankommt.
Wir freuen uns auf ein ereignisreiches Rennevent!

Tag 2

Bei strahlendem Sonnenschein erträgt man auch ein Weckerklingeln um 6.30 Uhr! Frisch am Morgen ging es zum umfangreichen Scrutineering – der technischen Abnahme. Geprüft wurden dabei Sicherheitsvorrichtungen sowie Chassis und technische Konformität. Nach kleineren Anpassungen an das britische Reglement konnten wir uns nach einem knappen Endspurt drei von sechs Stickern sichern.

Am Nachmittag gab es anschließend eine einstündige Begrüßungsveranstaltung. Dort gaben uns drei namhafte Profis aus der Rennsportentwicklung (u.a. Ross Brawn) interessante Einblicke in Ihren Arbeitsalltag sowie Karrieretipps mit auf den Weg.

Beim abendlichen Grillen auf dem Campingplatz bekamen unsere Vorträge für die statischen Disziplinen dann den letzten Schliff. Ein Holzkohlemangel schlug dabei internationale Brücken – es zeigte sich: Schweden lieben deutsche Würste.

Tag 3

Der Wettbewerb ging in die erste Runde: Freitag war der Tag der „Statics“, wo wir Präsentationen des Rennwagenkonzepts unter vertriebs-, entwurfs- und finanztechnischen Gesichtspunkten vor einer Fachjury vorstellten und dafür Bewertungspunkte erhielten. Leider erfahren wir die Ergebnisse erst morgen, aber wir sind guter Dinge und sehr gespannt.

Zuvor konnten wir den Sticker-Ring an Ardor vervollständigen – auch die letzten drei Sicherheitstests (Tilt Table, Noise und Brake Test) haben wir bestanden. Zufrieden konnten dann die ersten Runden auf der freien Trainingsstrecke gedreht und im Anschluss Feinabstimmungsarbeiten durchgeführt werden.

Es blieb uns sogar Zeit ein besonderes Angebot der Firma Airbus wahrzunehmen: Mit einer High-Speed-Kamera durften wir selbstgewählte Szenen des dynamischen Verhaltens Ardors festhalten lassen und diese nun in 50-facher Verlangsamung zur eigenen Analyse verwenden. Zwischendurch besuchten uns regelmäßig interessierte Industrievertreter in der Box. Wir haben uns sehr gefreut, dass darunter auch aktuelle Sponsoren unseres Teams waren.

Zum Abend gab es ein Treffen für alle Ansprechpartner jedes Teams, in dem Neuerungen am Regelwerk und der Event-Organisation vorgestellt wurden. Optimiert werden sollen die Internationalisierung, der Einbezug alternativer Antriebe sowie die Chancengleichheit herkunftsbedingt stark unterschiedlicher Budgets. All dies macht deutlich: Die Formula Student wächst immer mehr.

Und während Chefkoch Doro im Teamzelt seine Künste mit einem famosen Chili con Carne unter Beweis stellte, nutzten unsere Fahrer die letzten ruhigen Minuten auf dem Renngelände für eine Begehung der Strecke, die ab morgen Schauplatz des Kräftemessens von über 120 Teams aus 34 Nationen sein wird. Die Atmosphäre ist schon jetzt einzigartig und jedem Motorsport-Fan ans Herz zu legen.

 

Tag 4

So ereignisreich wie das Wetter, erwies sich auch der Wettbewerb an diesem ersten Tag der dynamischen Disziplinen. Während Acceleration (Beschleunigungsfahren) und Skid Pad (Fahrwerksauslegung) in strömendem Regen stattfanden, überraschte uns beim Autocross (1 km Sprint) am Nachmittag wieder ausgiebiger Sonnenschein und eine weitestgehend trockene Strecke.

Zwischendurch erhielten wir nach und nach die Ergebnisse unserer Präsentationen vom Vortag. Dabei schafften wir es in jeder Bewertung ins obere Drittel: Business Presentation Platz 27, Cost Event Platz 30 und Design Report sogar Platz 23.
Auch unsere Fahrer bewiesen einmal mehr, dass sie es faustdick hinter den Ohren haben. In zum Teil zentimeterhohem Regenwasser fuhren wir im Skid Pad auf Platz 20, im Autocross dann -überschattet von „Abflügen“ einiger Teams, bei denen zum Glück nur Material zu Schaden kam- auf einen hervorragenden 11. Platz. Und als ob es damit nicht schon genug Grund zum Feiern gäbe preschte Philipp mit Ardor unter die Top 6 der schnellsten Beschleuniger, innerhalb derer wir anschließend mit stolz geschwellter Brust zu einem Show-Lauf antreten durften. Das offizielle Endergebnis für den Accelertion kurz darauf war überwältigend: PLATZ 2! So gut ist Elbflorace noch nie in ein Event gestartet.

Ein besonderer Moment war zum Abend das große Gruppenbild mit allen teilnehmenden Teams. Nach dem ersten Teil der Award Ceremony verbrachten wir unseren Abend mit Vorbereitungen am Fahrzeug für das intensive Langstreckenfahren am Sonntag und feierabendlichem Beisammensein zu Doros leckerem Curry.

Tag 5

Zunächst bitten wir um Nachsicht für die Verspätung des Reports, die letztlich dem turbulenten Rennsonntag geschuldet ist – im positiven Sinne, soviel vorab.

Wenn eine einzige Disziplin maßgeblich für 40% der zu erreichenden Gesamtpunkte ist, konzentrieren sich alle Ambitionen auf deren Abschluss. Im heutigen Langstreckenrennen (Endurance) sollten sich unsere Arbeiten an der Performance und Zuverlässigkeit Ardors also ganz besonders auszahlen. Erneut spielte auch das englische Wechselwetter eine nicht unbedeutende Rolle. Wir starteten am Nachmittag bei aufreißendem Himmel, aber immer noch auf feuchtem Asphalt.
Gleich in Runde drei ein Schreck: einem parallel fahrenden britischen Team brannte der Motor. Dichte Rauchschwaden und Ölfilm auf weiten Teilen der Strecke bremsten uns regelrecht aus. Doch nach den ersten 11km steuerte Micha souverän zum Halbzeit-Fahrerwechsel. Großer Jubel brach aus als Ardor ganz unbeeindruckt von den Strapazen wieder ansprang, was zuvor bereits zahlreichen Teams nicht gelang und als großer Knackpunkt gilt. Jetzt konnte Karsten zeigen, was im Boliden „made in Dresden“ steckt. Als letzter Starter dieses Durchgangs richteten sich alle Blicke auf Ardor, der die finalen Runden nun allein drehte und auf ganzer Linie überzeugte. Nach 33 Minuten und 17 Sekunden gab es kein Halten mehr: die Zielflagge löste pure Emotionen bei allen Teammitgliedern aus.

Nach der Effizienz-Bewertung des Spritverbrauchs ergab sich ein 17. Platz im Endurance, was uns angesichts der widrigen Bedingungen (nach uns blieb dann die Strecke trocken und ölfrei) immer noch zufriedenstellte. Es folgten Box-Abbau, Award-Ceremony für die Sieger jeder Disziplin und das große Warten auf die übrigen Overall-Platzierungen. Während der Zeltplatz zur Freiluftdiskothek umfunktioniert wurde, erreichte uns dann die Nachricht, die alles auf den Kopf stellte:

PLATZ 9! Elbflorace ist ein Top 10-Team und das drittbeste Deutschlands!

Die Erfolgsfeiernacht fiel dementsprechend intensiv aus und soll nicht näher erläutert werden. Wir möchten an dieser Stelle jedoch allen Partnern, Freunden und Förderern für deren Unterstützung auf diesem Weg nach oben danken und drücken unseren elektrifizierten Teamkollegen und -kolleginnen alle Daumen für eine Fortsetzung der Elbflorace-Erfolgsgeschichte am Hockenheimring vom 2. bis 7. August 2011.

In wenigen Tagen finden Sie auch ein Fotoalbum mit Eindrücken aus Silverstone im Multimediabereich.